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Tag 0 - 22.08.2015

So, hier mein erster Eintrag...der Rucksack ist gepackt und morgen früh geht's dann also los.

Im Moment wiegt der Rucksack knapp 12kg, allerdings sind da auch die Wanderschuhe drin, und die hab ich in Schottland ja dann an den Füßen, also wirds noch ein bisschen weniger. Bin trotzdem mal gespannt wann ich das Teil das erste Mal verfluchen werde :-)

 Heute abend wird nicht mehr viel passieren denke ich...was essen, früh schlafen gehen und hoffen das ich morgen nicht verschlafe und die Bahn ausnahmsweise mal pünktlich ist...

 Ich meld mich dann wieder wenn ich morgen in Glasgow angekommen bin!!!

22.8.15 18:01, kommentieren

Tag 1 - 23.08.2015 - 19Uhr Ortszeit

So, der erste, wohl am wenigsten anstrengende Tag neigt sich dann langsam dem Ende zu.

Nachdem der Wecker seinen Dienst getan hat, auf die Bahn ausnahmsweise Verlass war und auch am Flughafen anfangs alles gut geklappt hat gab es dann doch fast eine Stunde Verspätung beim Abflug weil irgendwas mit dem Gepäck nicht in Ordnung war...zumindest musste die gesamte Ladung nochmal kontrolliert werden, was fast eine Stunde gedauert hat. Der Flug war dann sehr angenehm und auch am Flughafen Glasgow hat alles prima geklappt. Begrüßt wurde ich mit wolkenlosem Himmel und angenehmen 24 Grad.

Ich bin dann mit dem Bus in die Stadt und hab mich auf die Suche nach dem Bahnhof gemacht...hab dann auch schnell einen gefunden und das Ticket für die Fahrt nach Milngavie gezogen...dumm ist nur das es hier keine gescheiten Fahrpläne wie bei uns gibt, weswegen ich nicht wusste von welchem Gleis der Zug fährt. Die Nachfrage am Info-Stand ergab dann das der Zug von diesem Bahnhof gar nicht, sondern nur vom Hauptbahnhof fährt...also nochmal 15min durch die Stadt, nochmal nachgefragt und ab zum Gleis...und siehe da, auch die schottische Bahn hat Verspätung! Die Zugfahrt war dann ziemlich unspektakulär und nach 40min bin ich dann am Ziel angekommen.

Dank Maps hab ich dann relativ schnell meine Pension gefunden, eingecheckt, Zimmer bezogen und dann zurück ins Zentrum,hab geschaut wo der Spaß morgen los geht und dann den Rest des Nachmittags auf einer Bank mit sonnen und ausruhen verbracht...

Jetzt war ich grad lecker Pasta essen und bin jetzt in meinem Zimmer, werd mal unter der Dusche vorbei schauen, denn Abend mit lesen ausklingen lassen und dann relativ früh schlafen...weil morgen wirds dann schließlich ernst, auch wenn der Pensionswirt meint das die knapp 22km ziemlich easy werden...schauen wir mal... Das Wetter für morgen sieht relativ gut aus, auch wenn für den Nachmittag ein bisschen Regen gemeldet ist...auch hier schauen wir mal ...so, und nun schon mal Guts Nächtle...

23.8.15 20:18, kommentieren

Tag 2 - 24.08.2015 - 20 Uhr Ortszeit

So, die erste Etappe wäre dann geschafft!

Nachdem ich trotz sehr lauten Amerikaner im Nachbarzimmer und ziemlich starken Regen auf dem Dachfenster relativ gut geschlafen hab ging um 7 der Wecker und um 8 gabs dann Frühstück...nein, nicht typisch schottisch, sondern Lachs mit Rührei und Toast.

Um kurz vor 9 bin ich dann los, noch schnell ein Foto am Startpunkt in der Stadt gemacht und dann immer den Wegweisern nach Richtung Drymen. Die Strecke ist wirklich gut ausgeschildert, verlaufen kann man sich also eigentlich nicht...und bis auf ein paar Pfützen ist der Weg im Großen und Ganzen auch ok. Das Wetter war anfangs sonnig, hat sich dann aber zugezogen und wie sollte es auch anders sein, irgendwann kam dann der erste Regen.

Also Rucksack runter, Kamera verstaut, Regenjacke raus und weiter gings...bis es dann nach 5 Minuten wieder aufgehört hat...hab dann noch ein bisschen gewartet, aber da es immer klarer wurde das ganze Spielchen andersrum...Rucksack runter, Regenjacke verstaut, Kamera raus usw...danach wars dann zwar relativ bewölkt, aber trocken...und gegen Abend kam die Sonne wieder raus.

Apropos Rucksack...ich glaube wirklich Freunde werden wir auf der Strecke hier nicht...die Hoffnung das er ohne Wanderschuhe leichter ist hat sich durch die 3 Liter Wasser und dem Proviant erledigt und an den kleinen, aber teilweise ziemlich steilen Steigungen hab ich schon mal ein Gefühl dafür bekommen was auf den anderen Etappen auf mich zu kommt. Ich werde die nächsten Tage mal schauen ob ich besser klar komm, ansonsten werd ich dann wohl doch den Rucksacktransport in Anspruch nehmen und nur mit dem nötigsten wandern.

Im Ganzen hab ich für die 22km incl. Pausen knapp 5,5 Stunden gebraucht, war also schon gegen halb 3 am Ziel. Dumm nur das der Pickup - Service vom B&B noch keine Zeit hatte, also hab die Stunde Wartezeit mit Kaffee trinken verbracht.

Der Service war dann auch pünktlich und der Fahrer hat mir während der Fahrt bestimmt viele interessante Sachen erzählt, wirklich viel verstanden hab ich aber nicht. Nach duschen und kurzem ausruhen hat er mich mit den nächsten unverständlichen Informationen wieder in die Stadt gefahren wo ich dann gegessen und mich mit Proviant für morgen eingedeckt hab. Gegen 7 hat er mich dann wieder abgeholt und den Rest des Abends werd ich jetzt mit lesen und frühem schlafen verbringen.

Landschaftlich befinde ich mich momentan noch in den Lowlands, die Highlands und den Loch Lomond erreiche ich dann morgen, was sich durch den ersten, etwas höheren Berg bemerkbar machen wird! Wettermäßig siehts morgen dann besser aus, trocken und Sonne bei angenehmen 17 Grad, mal schauen ob sich das bestätigt. So, und nun hoff ich das ich die schmerzenden Beine wegschlafen und morgen einigermaßen fit die zweite Etappe, 25km nach Rowardennan, in Angriff nehmen kann! Good night!

24.8.15 21:16, kommentieren

Tag 3 - 25.08.2015 - 20:30 Ortszeit

Die Highlands sind erreicht!

Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem guten Frühstück mit Poridgee und, richtig...Rührei, ging es gegen 9 mit erstaunlich wenig Muskelkater (der Pferdebalsam ist wohl doch besser wie ich dachte) auf die 2. Etappe von Drymen über den ersten höheren Berg Conic Hill nach Rowardennan.

Direkt nach dem Ortsausgang ging es langsam, aber stetig bergauf und nach einigen auf und abs begann dann nach ca. 5km der Aufstieg auf den knapp 350m hohen Conic Hill. Oben angekommen entschädigte der Blick auf die "bonnie bonnie banks of Loch Lomond" für den doch ziemlich anstrengenden Weg. Schnell ein paar Bilder gemacht und dann gings auf den ziemlich rutschigen und nicht weniger anstrengenden Abstieg bis ich dann nach knapp 12,5km in Balmaha die Hälfte der Etappe geschafft hatte.

Hier hab ich erstmal ausgiebig Pause gemacht und nach einer guten dreiviertel Stunde gings dann auf die zweiten 12,5km direkt am Ufer des Sees entlang nach Rowardennan. Die Strecke war hier nicht mehr ganz so anspruchsvoll, aber 3-4 knackige Anstiege gabs dann doch noch, und mit den bereits gelaufenen Kilometern wurde das nicht einfacher.

Da ich gut in der Zeit lag hab ich nach der Hälfte der Strecke dann nochmal eine Pause eingelegt und gegen halb 5 hab ich dann nach knapp 7,5h und 25km das Hostel in Rowardennan erreicht. Direkt am Loch Lomond gelegen ist die in einem alten Jagdschloss untergebrachte Jugendherberge eine der schönsten in Schottland.

Nach einchecken, Zimmer beziehen usw. gings dann gegen 7 zum essen und nach einem Bier in der Bar war der Tag auch schon fast zu Ende. Wettermäßig wars wie vorhergesagt...sonnig und angenehme 17 Grad...für morgen sieht es nicht ganz so toll aus, es soll wohl ziemlich viel Regen geben. Auf dem Programm stehen dann 21km nach Inverarnan.

So, und nun werde ich müde, satt und zufrieden ins Bett gehen und in die schottische Traumwelt entschwinden

2 Kommentare 25.8.15 21:47, kommentieren

Tag 4 - 26.08.2015 - gepostet am 27.08.2015

Was für ein Tag...eines vorne weg, die bonnie bonnie banks können auch ganz schön ugly sein...aber dazu später mehr...

 Nach einer wiederum sehr erholsamen Nacht zeigte ein Blick aus dem Fenster das die Wettervorhersage nicht zuviel versprochen hatte...der Himmel war grau und die Wolken hingen tief, es sah also nach Regen aus. Meine Beine fühlten sich an wie Pudding und ich war kurzzeitig versucht mich in meinen Rucksack zupacken und den Rucksackfahrservice zu buchen. Aber nach den ersten 3 Kaffee und dem Frühstück gings ein bisschen besser, also hab ich anstatt mich meine Klamotten im Rucksack verstaut und hab mich selbst in meine Regenklamotten nebst Regenhut gepackt.

Um kurz nach 9 gings dann los und pünktlich setzte guter, schottischer Regen ein...nicht zu stark, eher nieselig und auch nicht lotrecht sondern leicht schräg. Begeistert von dieser ständigen Abkühlung hab ich mich also auf den Weg gemacht und siehe da, die Beine waren besser als sie sich anfühlten und es ging die ersten 5km langsam, aber stetig bergauf...die Beine waren so gut das ich die ersten 2km nach 20 Minuten geschafft hatte...und da ich dann gemerkt hab das ich ja eigentlich nicht auf der Flucht bin hab ich es erstmal langsamer angehen lassen und bin dann im Rhythmus der Regentropfen auf meinem Hut dahingetrottet.

Nach knapp einer Stunde fiel mir dann auf das die Welt um mich rum still stand...nach einer kurzen Weile merkte ich dass das daran lag das ich stehen geblieben war was wohl am fehlenden Takt der Tropfen auf meinem Hut liegen mochte...es hatte aufgehört zu regnen. Freudig über diese Erkenntnis lief ich dann weiter und hatte die erste 12,5km des Tages über guten, aber unspektakulären Weg nach knapp 3h hinter mich gebracht.

Nach einer guten dreiviertel Stunde Pause machte ich mich dann auf die nächsten 11,5km und war eigentlich ganz zuversichtlich das Tagesziel in Inverarnan recht zeitig zu erreichen. Im Reiseführer stand zwar das diese Tagestour die anstrengenste und gefährlichste des ganzen Weges sein sollte, aber dem Streckenprofil zu urteilen konnte das eigentlich gar nicht nicht sein, es gab wenige Steigungen und auch die Länge der Strecke war überschaubar, also ging ich froh gelaunt meines Weges ohne zu ahnen was auf mich zu kommt!

Die ersten 2km waren noch ganz ok, der Weg wurde zwar schmaler, war aber immer noch gut zu gehen...aber dann fings langsam an...der eh schon ziemlich schmale Weg wurde noch schmaler und war teilweise gar nicht mehr als solcher zu erkennen...und hatte die nächsten 7 oder 8km auch nicht diese Bezeichnung verdient...es ging buchstäblich permanent über Wurzelstock und Stein, glitschige Felsen, Steinstufen oder umgestürzte Bäume...was durch den wieder einsetzenden Regen nicht lustiger wurde. Am Anfang hat das sogar noch Spaß gemacht, aber nach 5km hatte ich dann ziemlich die Nase voll...und nach 3 weiteren wurde der Weg dann besser...allein für dieses Stück hab ich 3,5h Stunden gebraucht und war ziemlich am Ende...die restlichen 4km waren dagegen echt ein Spaziergang, auch wenn es noch mal knapp 100 Höhenmeter nach oben ging, aber da wird man dann ziemlich gleichmütig und nimmt es wie es ist, Hauptsache gerade aus laufen und nicht klettern, steigen oder sonst was machen müssen...und nach knapp 8,5h war ich dann durchnässt, total kaputt, hungrig und trotzdem ziemlich glücklich am Ziel...weil auch wenn der Weg ziemlich ugly war...die Ausblicke über den See, die Momente wenn die Sonne durch die Wolken bricht und die Landschaft in ein besonderes Licht taucht oder wenn man einfach nur am Ufer steht und dem rauschen des Wassers lauscht, sind besondere Geschenke und das macht die banks dann doch wieder sehr bonnie!

Und nachdem ich jetzt heiß geduscht und gegessen habe werde ich gleich wohl augenblicklich in den Schlaf fallen und von der morgigen, mit Sicherheit weniger anstrengenden Etappe träumen!

27.8.15 21:02, kommentieren

Tag 5 - 27.08.2015 - 20 Uhr Ortszeit

So, das Bergfest ist gefeiert...nach den heutigen knapp 21,5km hab ich 92 der insgesamt 153km hinter mich gebracht...und genau so fühlen sich meine Beine auch an.

 Schon heute morgen beim aufwachen hab ich gemerkt das die Kraxelei gestern ihre Spuren hinterlassen hat. Ich wollte so gar nicht wirklich aufstehen und auch alles weitere verlief eher gemächlich und ohne rechten Elan. Nach dem Frühstück gings ans Rucksack packen und auch das ging eher langsam von statten, so daß ich mich erst um kurz vor 10 zeitgleich mit dem einsetzenden Regen auf den Weg machte.

Auch heute ging es direkt nach dem Start bergauf und das blieb so bis ich nach knapp 9km das Zwischenziel in Crianlarich erreicht hatte. Auf dieser ersten Etappe war das Wetter beständig unbeständig, mal regnete es, mal nicht und sobald ich überlegt hatte die Regenjacke auszuziehen fing es wieder an...also hab ich sie den ganzen Tag gar nicht ausgezogen. Kurz vor Crianlarich wurde das Wetter dann beständiger...es fing heftig an zu schütten und zu stürmen, aber da ich zu diesem Zeitpunkt eh schon durch nass war hat das nicht mehr weiter gestört.

Nach einer längeren Pause gings dann weiter auf die 2. Etappe zum heutigen Tagesziel in Tyndrum. Auch hier ging es die ersten 2km ca. 200 Höhenmeter bergauf bevor es dann die nächsten 9km entweder bergab oder mehr oder weniger eben weiter ging...bei jetzt weitestgehend trockenen Verhältnissen.

Nach insgesamt 6,5h hatte ich dann die 21,5km hinter mich gebracht und bin pitsche patsche nass, total erledigt und hungrig, aber trotzdem wieder irgendwie glücklich und ein bisschen stolz in Tyndrum angekommen.

Leider war der Tag damit noch nicht zu Ende, denn da das Hotel einen Trockenraum hat hab ich mich erstmal ans Wäsche waschen gemacht. Dann heiß geduscht, gegessen, Proviant besorgt und nach einem (vllt gibt's auch noch ein zweites!?) Bier werd ich gleich ins Bett fallen.

Im Großen und Ganzen war der Tag heute eine echte Quälerei, und das obwohl die Etappe relativ gut zu laufen und nicht besonders schwer war...aber die Beine wollten einfach nicht wach werden und auch sonst hab ich mich ziemlich müde gefühlt. Ich hoffe mal das dass dann heute der körperliche Tiefpunkt der Wanderung war, weil morgen steht die "Königsetappe" von Tyndrum nach Kingshouse auf dem Programm...30km, wovon mindestens die Hälfte wieder bergauf geht.

Sehr wahrscheinlich werd ich mich für diesen Tag von meinem geliebten Feind auf meinem Rücken trennen und ihn per Taxi verschicken...mal schauen wie es mir morgen geht. Und sollte ich nicht irgendwo liegen bleiben oder abrupt in den Wanderstreik treten lesen wir uns morgen an dieser Stelle wieder (wenn das Internet es zulässt). Gute Nacht Deutschland!

27.8.15 21:07, kommentieren

Tag 6 - 28.08.2015 - 20:30 Ortszeit

Die Königsetappe ist geschafft...und das besser als erwartet!

Wie gestern schon angedeutet habe ich mich heute morgen dazu entschlossen den Rucksack auf dieser Etappe nicht zu tragen, sondern ihn per Shuttleservice nach Kingshouse vorzuschicken. Nachdem alles geregelt war bin ich schnell in den Laden um die Ecke und hab mir für ein paar Pfund einen leichten Wanderrucksack besorgt.

Mit erstaunlich guten Beinen und fast 10kg weniger Gepäck bin ich dann um kurz nach 9 bei wiedermal gutem schottischen, regnerischen Wetter gestartet. Die 1. Etappe verlief über einen guten Weg vorbei am Beinn Dorain (Beinn ist gälisch und bedeutet Berg) nach Bridge of Orchy. Wie schon erwähnt waren die Beine heute wirklich gut und durch das leichte Gepäck kam ich sehr gut voran und hatte nach knapp 2 Stunden und 11km das erste Ziel des Tages erreicht.

Nach einer kurzen Pause gings dann auf das zweite Teilstück des Tages über den Mam Carsaig nach Victoria Bridge. Das mit knapp 5km eher kurze Teilstück verlief die ersten 3km steil bergauf, ließ sich aber sehr gut laufen und nach knapp 1 Stunde kam ich zeitgleich mit der Sonne auf dem Gipfel des Berges an. Der Ausblick über das Tal und den Loch Tulla ist mit das schönste und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenste was ich auf dem bisherigen Weg gesehen habe.

Nach dem kurzen Abstieg und einem kurzen Marsch durchs Tal war nach knapp 1,5 Stunden Victoria Bridge erreicht und somit das 2. Teilstück geschafft.

Das 3. Teilstück führte dann knapp 15km am Westrand des Rannoch Moors zum Tagesziel nach Kingshouse. Dieser Abschnitt ist wohl das einsamsten Wegstück des gesamten West Highland Ways. Vorbei an scheinbar endlosen Moor- und Heidefeldern verläuft der Weg die ersten 10km langsam aber stetig bergauf. Da es hier kaum Bäume gibt ist man dem Wetter relativ schutzlos ausgeliefert was bei dem jetzt stürmischen und ziemlich feuchten Bedingungen nicht immer sehr angenehm war. Aber wie schon in den letzten Tagen registriert man irgendwann gar nicht mehr das es regnet, sondern geht einfach seines Weges und freut sich wenn dann doch mal die Sonne durch die Wolken schaut und die Landschaft in ein Spiel aus Licht und Schatten taucht.

Nach knapp 3 Stunden hatte ich den höchsten Punkt der Etappe erreicht und nach einem Blick zurück über die einsame Landschaft (es gibt hier noch nicht mal Schafe!) des Moors ging es dann die nächsten 4,5km bergab Richtung Kingshouse. Nach insgesamt knapp 7,5 Stunden bin ich dann zwar bei Regen, aber belohnt mit einem wunderschönen Regenbogen in meinem Quartier im Kingshouse Hotel angekommen. Ab hier beginnt nun die grandiose Bergwelt des Glen Coe die dann den morgigen Weg bestimmen wird.

Heute war zwar die mit über 30km längste Etappe, morgen geht es dafür auf den höchsten Punkt des West Highland Way über den Devil's Staircase nach Kinlochleven. Und nachdem ich jetzt meinen Rucksack in Empfang und eine heiße Dusche genommen hab werd ich mir noch ein oder zwei Bier genehmigen und mich dann ins Reich der Träume begeben.

28.8.15 21:32, kommentieren

Tag 7 - 29.08.2015 - 18 Uhr Ortszeit

Der Teufel ist bezwungen!

Nach einem guten Abendessen, einem Whisky und zwei Bier war ich heute morgen schon um 7 Uhr wach. Ein Blick aus dem Fenster zeigte das hier auf die Wettervorhersagen wirklich verlass ist...es war grau und windig und ein kurzer Besuch vor der Tür zeigte das die Temperaturen wohl nur knapp im zweistelligen Bereich lagen. Da die Strecke heute vergleichsweise kurz war und trotz der Passüberquerung in knapp 4 Stunden zu schaffen sein sollte hab ich erstmal in der Hoffnung auf Wetterbesserung abgewartet und bin zum Frühstück gegangen. Da es um 10 eher noch schlimmer aussah und eine Besserung nicht wirklich in Sicht war hab ich mich dann, heute wieder mit Rucksack, auf den Weg gemacht.

Die ersten Kilometer verliefen über hügeligem und ziemlich steinigen Weg Richtung Taleingang vom Glen Coe. Der Regen wurde minütlich stärker und aus dem starken Wind war mittlerweile ein kleiner Sturm geworden, so dass das wandern heute nicht wirklich Spaß machte. Nach knapp 5km und 1,5 Stunden war dann der Fuß der Bergetappe erreicht und die Devil's Staircase waren von weitem zwischen den tiefhängenden Wolken zu erkennen. Bei mittlerweile überhaupt nicht mehr gutem schottischen Regen, er kam weder lotrecht noch schräg sondern waagerecht von vorne, begann ich dann den Aufstieg durch des Teufels Treppenhaus. Und dieser hat heute wohl alle Bosheiten ausgespielt die er zu bieten hat! Mit steigender Höhe wurde der Wind immer stärker, so daß der Regen in Schwaden über den Hang gepeitscht wurde und spätestens hier hatte ich dann trotz guter Regenkleidung keinen trockenen Faden mehr am Leib. Der Pfad, der eher an ein ausgetrocknetes Bachbett als an einen Weg erinnerte, wurde immer steiler und wand sich in engen Kurven den Berg hinauf. Wie zum Spott lugte immer mal wieder die Sonne als blassweisse Scheibe durch die Wolken, so als wollte sie sagen "wenn ich wollte wäre es jetzt trocken und warm und der Weg weniger beschwerlich"...aber auch so hatte ich dann den Teufel und seine knapp 2km lange Treppe nach ca. 1 Stunde bezwungen und marschierte dann, reingewaschen von allen Sünden (zumindest kam ich mir so vor, sogar meine vor Dreck starrende Regenhose war jetzt wieder sauber) über den Pass Richtung Abstieg und Kinlochleven.

Bei schönem Wetter ist dieser Teil wohl das schönste Stück des West Highland Way mit grandiosen Ausblicken über die Gipfel der Highlands und auch der Beinn Nevis ist von hier schon zu erkennen, heute konnte davon aber keine Rede sein...nur tiefhängende Wolken und Regenschwaden die vom Wind über das Hochplateau getrieben wurden.

Auch hier oben war der Weg nicht besser und ähnlich schlecht wie beim Aufstieg, allerdings hatte sich das trockene Bachbett schon in kleinere bis mittelgroße Bäche verwandelt, die zum Teil wadentief waren...und ab jetzt waren dann auch meine bisher noch trockenen Füße nass. Aber wie schon in den letzten Tagen beschrieben ignoriert man irgendwann die äußeren Umstände und läuft einfach weiter Richtung Ziel...so auch heute und nach knapp 2 Stunden und weiteren 7km war dann das Tagesziel in Kinlochleven erreicht.

Nachdem ich im Ort einen kurzen Stop bei einer Tasse Tee gemacht hatte hab ich mich dann auf die Suche nach meiner heutigen Unterkunft gemacht, dort angekommen meine klatschnasses Klamotten im Trockenraum untergebracht und mich dann erstmal eine halbe Stunde unter die heiße Dusche gestellt. Jetzt liege ich bei einer weiteren Tasse Tee auf meinem traumhaft weichen Bett mit einem noch traumhafterem Ausblick auf die Landschaft und freue mich auf ein gutes Abendessen und meinen morgigen Ruhetag der mich nach einer kurzen Busfahrt nach Glen Coe führen wird...und von dort gibt's dann morgen den nächsten Bericht!

29.8.15 19:01, kommentieren

Tag 8 - 30.08.2015 - gepostet am 31.08.2015

"Off - Day"...oder doch nicht ganz...

Wie gestern schon geschrieben war heute mein wanderfreier Tag...zumindest war das der Plan...

Nach einem sehr guten Frühstück mit frischem Räucherlachs und dem obligatorischen Rührei gings nach dem packen der mittlerweile fast trockenen Klamotten (die Schuhe sind nicht wirklich viel trockener wie gestern Abend) gegen halb 11 zur örtlichen Bushaltestelle wo dann um kurz nach 11 der Bus nach Glen Coe fast pünktlich ankam.

Nach einer ziemlich holprigen, 20 minütigen Fahrt kam ich dann in Glen Coe Village an und stellte fest das die Bushaltestelle nicht gerade in der Nähe meiner heutigen Unterkunft lag. Da ich mich hier aber relativ gut auskenne, ich also ungefähr wusste wo ich war und auch ziemlich genau wusste wo ich hin muss, schulterte ich den Rucksack und machte mich auf den Weg. Ich hatte irgendwie im Hinterkopf das meine Unterkunft ein paar Meter außerhalb des Ortes hinter einem kleinen Wald lag, die Strecke kannte ich ziemlich gut weil ich die schon ein paar mal mit dem Auto gefahren bin...aber genau das war das Problem...die paar Fahrminuten mit dem Auto sehen zu Fuß und mit Rucksack dann schon ein bisschen anders aus, außerdem waren es auch nicht ein paar Meter, sondern ca. 4-5km...so das ich dann nach einem strammen Marsch und knapp einer dreiviertel Stunde mein heutiges Tagesziel erreicht hatte...ich werd mir also wohl keine Gedanken machen müssen das mich der Ruhetag aus dem Wanderrythmus bringen wird.

Da ich relativ früh war, war mein Zimmer noch nicht bezugsfähig, so daß ich mir erst mal eine Kanne Tee in der dazugehörigen Bar genehmigt hab. Dort stellte ich dann fest dass das hiesige Internet wieder ziemlich zu wünschen übrig ließ, so das ich den heutigen Bericht wohl erst wieder morgen bloggen kann.

Nach einer Suppe und einer heißen Dusche hab ich mir noch eine Kanne Tee genehmigt und so verstrich dann der Nachmittag mit faulenzen und süßem Nichtstun. Gegen 19 Uhr bin ich dann zum Abendessen, wo ich mir neben 2 Ale eine Portion Haggis und zum Nachtisch eine Schokotarte genehmigt habe...und jetzt, um halb 10, liege ich im Bett und freue mich auf die morgige, letzte Etappe über knapp 25km nach Fort William.

Diese wird, gerade auf den ersten Kilometern nochmal richtig anstrengend, aber ich gehe mal davon aus das ich auch diese vor Einbruch der Dunkelheit bewältigen werde und somit den West Highland Way hinter mich gebracht habe.

31.8.15 20:05, kommentieren

Tag 9 - 31.08.2015 - 22:15 Ortszeit

Geschafft!!!

Nach dem ich mich gestern ausgeruht hatte klingelte heute morgen um 7 Uhr der Wecker für die letzte Etappe des West Highland Ways.

Nach dem obligatorischen Frühstück mit Poridgee und Rührei gings ans Rucksack packen und zum letzten mal ans Wanderschuhe schnüren. Da ich keine Lust hatte vor der eigentlichen, 25km langen Tagesstrecke die 5km zurück zur Bushaltestelle zu laufen, bin ich mit dem Taxi direkt an den Startpunkt nach Kinlochleven gefahren.

In Kinlochleven angekommen ging es dann bei ausnahmsweise mal trockenem Wetter quer durch den Ort und dann begann der letzte, ca. 6km lange, Aufstieg des Highland Ways von Meereshöhe auf 250m. Das Problem bei diesem Wetter ist das die Midges (für die die nicht wissen was Midges sind...das sind nur wenige Millimeter große Mücken die gewöhnlich in Scharren auftreten und einen zum Wahnsinn treiben können...sie stechen und jucken und krabbeln in Ohren, Nase, T-Shirt und wer weiß noch wo hin) aus ihrem Versteck kommen und jede Verschnaufpause zur Tortur machen. Eigentlich wollte ich die letzten Tage schon schreiben das sie, wenn es denn mal nicht geregnet hat, ziemlich friedlich waren...aber das haben sie dann heute mit geballter Macht nachgeholt. Kaum das man stehen geblieben ist fiehlen hunderte der kleinen Plagegeister über einen her. Zum Glück hatte eine Lotion dabei die die Biester ein wenig abhalten und ab da war es dein einigermaßen erträglich.

Nach ca. 2 Stunden war der Aufstieg bewältigt und die nächsten 12km ging es dann auf dem Hochplateu vorbei an heidebewachsenen Bergen Richtung Fort William. Nach einiger Zeit konnte man den Beinn Nevis, seines Zeichen höchster Berg in Großbritannien, erkennen was bedeutete das ich meinem Ziel immer näher kam. 3,5 Stunden später hatte ich das Ende des Plateaus erreicht und die nächsten 7km gingen dann, jetzt unmittelbar am Beinn Nevis vorbei, wieder bis auf Meereshöhe bergab nach Fort William.

Nach insgesamt 7,5 Stunden und 25km hatte ich die letzte Etappe hinter mich gebracht und erreichte erschöpft und mit schmerzenden Rücken, Beinen (vor allem mein rechtes Knie hat mich heute ziemlich gequält) und Füßen, aber glücklich und ein bisschen stolz, den Endpunkt des West Highland Way in der Fußgängerzone in Fort William.

Und nachdem ich mein Zimmer im hiesigen (nicht sehr empfehlenswerten) Hostel bezogen, geduscht und gegessen habe sitz ich jetzt bei einem guten Ale in einem Pub und lass die letzte Woche nochmal Revue passieren. Wenn ich so zurück denke kommt es mir vor das ich nicht 8 Tage, sondern 3 Wochen unterwegs war. Nicht weil ich mich so fühle, sondern weil ich in dieser Zeit so viel gesehen und so viele Eindrücke gesammelt habe das dass eigentlich gar nicht in eine einzige Woche passt. Ich bin jetzt das 11. oder 12. mal in Schottland, aber noch nie hab ich das Land so intensiv erlebt und gefühlt wie in den letzten 8 Tagen und 153km...und auch wenn es anstrengend und schmerzhaft, sehr häufig nass und teilweise ziemlich quälend war, habe ich mich noch mal in dieses Land verliebt...und ich glaube, das man erst dann, wenn man den Loch Lomond vom Cornic Hill aus gesehen hat und am Ufer des Sees entlang geklettert ist, bei Wind und Wetter durch die Highlands gewandert ist, die Einsamkeit des Rannoch Moors erlebt oder nass bis auf die Haut den Devil's Staircase erklommen hat, man ein ungefähres Gefühl dafür bekommen hat wie wild und rau und teilweise hart, aber gleichzeitig auch faszinierend und atemberaubend schön dieses Land ist...und auch wenn ich jetzt müde und kaputt bin, bin ich trotzdem glücklich und ein bisschen stolz auf das was ich in der letzten Woche geschafft habe...und es wird mit Sicherheit nicht das letzte mal gewesen sein das ich dieses Land auf diese Weise erlebt habe!

31.8.15 23:18, kommentieren